Ich werde nicht hingehen. Und das ist die richtigste Entscheidung, die ich seit Langem getroffen habe.
Ein ehrlicher Bericht über Trauer, Neuanfang und warum ich trotzdem, oder gerade deshalb, für Frauen brenne.
Am Sonntag ist Weltfrauentag.
Ich war eingeladen. Nach Hamburg. Zu einem dieser Events, die auf dem Papier genau das sind, wo man als Coach hingeht. Sichtbar sein. Netzwerken. Verbindungen knüpfen.
Ich werde nicht hingehen.
Nicht, weil ich das Thema nicht wichtig finde. Nicht, weil mir Frauen egal sind. Sondern weil die letzten zwei Jahre mich gelehrt haben, genauer hinzuhören auf das, was mir mein Körper und mein Inneres wirklich sagen. Und beides sagt gerade: Nein.
Was diese zwei Jahre wirklich waren
Es gibt Jahre, die man einfach übersteht. Und dann gibt es Jahre, die einen verändern.
Im August 2024 habe ich meine Mutter verloren. Im Mai 2025 meinen Vater.
Wer beide Eltern verloren hat, weiß: Das ist kein Verlust wie andere. Das ist das Ende einer ganzen Welt. Plötzlich gibt es niemanden mehr, der vor dir steht. Du bist an der Reihe.
Und mittendrin, während ich versuchte zu trauern, zu atmen, zu begreifen, lief das Leben weiter. Im Juli 2025 habe ich eine Teilzeitstelle angenommen. Einfach um etwas Stabiles zu haben. Etwas, das Struktur gibt, wenn man selbst keine Kraft mehr hat, sich selbst zu strukturieren. Das war keine Niederlage. Das war Selbstfürsorge, auch wenn sie sich nicht so angefühlt hat und auch an manchen Tag immer noch so ist.
Die Stille, die niemand anspricht
Ich hatte mich auf eine Zielgruppe ausgerichtet: Frauen in Deutschland, die gründen wollen. Ich hatte Content erstellt, Angebote entwickelt, mich positioniert. Und dann: Stille. Fast keine Resonanz.
Das tut weh. Auch wenn man weiß, dass so etwas zum Unternehmertum gehört. Es tut trotzdem weh.
Ich habe mich gefragt, ob ich aufhören soll. Ob das Thema überhaupt das Richtige für mich ist.
Die Antwort ist: Ich verabschiede mich nicht davon. Aber ich verfolge es nicht mehr mit einer Intensität, die mir Energie raubt. Ich habe bereits schon einige Gründerinnen begleitet , eine sogar auf Englisch und diese Arbeit war und ist schön. Das Thema bleibt ein Herzensthema. Aber es darf auch kleiner sein, ohne weniger wert zu sein.
Denn was ich gleichzeitig gemerkt habe: Es gibt einen anderen Bereich, der mich wirklich ruft. Und zwar mit einer Klarheit, die ich vorher nicht kannte.
Zwischen zwei Welten – das ist nicht nur ein Bild
Ich bin Amerikanerin. Und Deutsche. Gleichzeitig. Den einzigen Ort, wo ich je wirklich die Mitte gefunden habe, ist Irland. Das ist kein romantisches Bild das ist meine Realität. Und es hat mich viele Jahre gebraucht, dieses Dazwischen-Sein nicht als Problem zu betrachten, sondern als das, was es ist: eine besondere Perspektive.

Genau deshalb spricht mich die Arbeit mit internationalen Frauen in Deutschland so tief an. Frauen, die hierhergezogen sind für die Arbeit, für den Partner, für ein neues Leben und die plötzlich merken: Hier zu leben, hier zu arbeiten, hier vielleicht sogar zu gründen, ist nicht wie zu Hause. Das System ist anders. Die Sprache ist anders. Die ungeschriebenen Regeln sind anders. Und man steht irgendwie zwischen allem.
Ich kenne dieses Gefühl. Von innen. Und ich glaube, genau das ist der Grund, warum diese Arbeit sich für mich nicht wie Arbeit anfühlt.
Netzwerkevents und die Wahrheit, die selten laut gesagt wird
Ich bin introvertiert. Ich sage das nicht als Entschuldigung,ich sage es, weil ich verstanden habe, dass es ein Teil von mir ist, der Respekt verdient, nicht Korrektur.
Meine Erfahrungen auf Frauennetzwerk-Events sind selten positiv. Man kommt alleine. Man sieht die Grüppchen. Man versucht sich dazuzugesellen. Man wird höflich befragt, höflich gelobt. Und dann dreht man sich wieder weg, zurück zur Gruppe.
„Ach, das ist ja toll, was du machst!“ und dabei bleibt es. Kein echtes Gespräch. Keine echte Neugier.
Ich bin Teil eines Netzwerks, wo es anders ist. Wo es sich ein bisschen wie nach Hause kommen anfühlt. Das gibt es also. Aber es ist selten.
Nach diesen zwei Jahren habe ich keine Kraft mehr für Oberfläche. Und das ist keine Schwäche. Das ist Klarheit.
Warum ich trotzdem – gerade deshalb – weitermache
Es gibt etwas, das mich nicht loslässt. Ich sehe täglich, was Frauen geboten wird, die ihr Business aufbauen oder gründen wollen. Schnellversprechen. Hype. Influencer, die so tun, als ob Erfolg nur eine Frage des richtigen Mindsets wäre.
Und ich denke jedes Mal: Diese Frau verdient Besseres. Sie verdient jemanden, der wirklich hinschaut.
Ich habe Wirtschaftspsychologie studiert – bewusst – weil ich immer wusste, dass ich beides brauche: den nüchternen Blick auf Strukturen und Märkte. Und das Verständnis für das, was wirklich unter der Oberfläche passiert. Ich arbeite mit EFT – Emotional Freedom Techniques – weil ich am eigenen Leib erfahren habe, was es bedeutet, wenn man weiß, was man tun müsste, aber der Körper und die Emotionen nicht mitmachen.
Das ist keine Methode für schwache Momente. Das ist ein Werkzeug für Menschen, die wirklich verstehen wollen, was sie aufhält.
Am Sonntag ist Weltfrauentag. Ich bleibe zu Hause.
Ich werde nicht nach Hamburg fahren. Ich werde keinen erzwungenen Small Talk führen. Ich werde nicht lächeln und so tun, als ob ich gerade keine 18 Monate Trauer, Neuorientierung und Umbau hinter mir hätte.
Stattdessen schreibe ich diesen Text. Weil Ehrlichkeit mehr wert ist als Präsenz.
Und weil ich glaube, dass genau das die Frauen brauchen, mit denen ich arbeiten möchte: keine perfekte Coachin mit fertigem Konzept. Sondern jemanden, der weiß, wie es ist, zwischen den Welten zu stehen und trotzdem weiterzumachen.
Wenn du eine internationale Frau in Deutschland bist und spürst, dass du zwischen zwei Welten steckst – beruflich oder persönlich – dann ist das genau der Raum, in dem ich arbeite. Mit Business-Know-how, Wirtschaftspsychologie und EFT. Auf Englisch. Ich freue mich, von dir zu hören.



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